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Gemeinde Stephanskirchen  |  E-Mail: poststelle@stephanskirchen.de  |  Online: http://www.stephanskirchen.de

Nähere Informationen zu diesem Artikel erhalten Sie von Frau Gall

EnergieForum besucht Fernwärmenetz in Baierbach

Energieforum

Gemessen am Gesamtenergiebedarf in Deutschland nimmt die Wärme mit ca. 40% einen doppelt so großen Anteil ein als der elektrische Strom mit ca. 20%. Innovationen auf dem Wärmesektor als Beitrag zur Energiewende sind daher außerordentlich wichtig, wenn die gesetzten Klimaziele auch nur annähernd erreicht werden sollen. Grund genug für das Energieforum Stephanskirchen sich für ein regenerativ betriebenes Fernwärmenetz in Baierbach zu interessieren. Am 29. September besuchte daher eine Gruppe des EnergieForums unter Führung der Energiebeauftragten der Gemeinde Stephanskirchen, Frau Karin Gall, das „Heizhaus“ der Schneider GbR in der Baierbacher Straße im Ortsteil Baierbach. Vater und Sohn Anton Forstner betreiben dort mit ihrer Schneider GbR ein mit Hackschnitzel befeuertes Fernwärmenetz.

 

Die Idee zum Aufbau dieses Verbundsystems entstand aus der Notwendigkeit zur grundlegenden Erneuerung der eigenen Heizungsanlage. Dabei war die Wahl einer mit nachhaltigen Brennstoffen betriebenen Anlage eine Grundvoraussetzung. Kostenrechnungen führten schnell zu dem Ergebnis, dass eine ausschließlich für den Eigenbedarf dimensionierte Anlage kaum wirtschaftlich zu betreiben ist. Erst der zugesagte Anschluss des umgebauten nahe gelegenen Huberhofs und die Bereitschaft mehrerer Anlieger zur Durchleitung und Wärmeabnahme ließen ein sinnvolles Projekt zu. Entscheidend war auch, dass durch die zusammenhängende Lage der betroffenen Grundstücke keine öffentlichen Verkehrswege überquert werden mussten. So entstand in den Jahren 2015 und 2016 ein Fernwärmenetz, an dem heute 13 Häuser bzw. 20 Wohneinheiten angeschlossen sind. Ein weiteres Haus kommt demnächst dazu, bei vier Grundstücken sind Anschlussmöglichkeiten vorbereitet.

 

Herzstück der Anlage ist ein mit Hackschnitzel befeuerter Heizkessel mit einer thermischen Leistung von 200 kW. Eine Förderschnecke versorgt den Brenner aus dem dahinter liegenden Vorratslager mit einem durchschnittlichen Reservoir von insgesamt 800 m³. Zur Absicherung der Wärmeabgabe bei Störungen und für erhöhten Wärmebedarf bei tiefen Außentemperaturen steht ein Ölbrenner mit ebenfalls 200 kW bereit. Darüber hinaus laden 30 m² Solarkollektoren einen mit Strohmehl optimal wärmeisolierten 10.000 l Wasserspeicher zur Unterstützung der Gesamtanlage.

Entscheidend für einen wirtschaftlichen Betrieb ist die Qualität des verwendeten Brennmaterials. Dafür sorgt der Betrieb selbst, denn das Schreddern des Holzes erfolgt in eigener Regie. Rund 20% des Holzes kommen aus eigenem Anbau, ca. 30% aus der unmittelbaren Umgebung und die restlichen 50% aus dem Landkreis. Holz mit zu hohem Feuchtigkeitsgehalt wird in einer Biogasanlage in Prutting, also mit nachhaltig erzeugter Energie, getrocknet.

 

Die Besuchergruppe zeigt sich von der Fachkunde und dem Engagement der Betreiberfamilie gleichermaßen beeindruckt. Bemerkenswert ist auch, wie mit Detailwissen und Erfindungsreichtum Hindernisse umgangen und Kosten gesenkt werden können. Das Projekt zeigt aber auch, dass mit privater Initiative und ökologischer Überzeugung ein wesentlicher Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden kann. Frau Gall bedankt sich im Namen des EnergieForums für die interessante Exkursion mit einem kleinen Präsent und wünscht einen stets störungsfreien Betrieb. R. Weh EnergieForum

 

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