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Gemeinde Stephanskirchen  |  E-Mail: poststelle@stephanskirchen.de  |  Online: http://www.stephanskirchen.de

Nähere Informationen zu diesem Artikel erhalten Sie im Rathaus von Frau Gall

Lieben Milane Windräder?

Wildpoldsried 1

Ca. 15 energieinteressierte Bürger, die zum Teil auch Mitglieder des Energieforums Stephanskirchen sind, waren zu Besuch in Wildpoldsried, dem Windstützpunkt Bayerns. Alle Teilnehmer waren begeistert und gleichzeitig neidisch auf das bereits Erreichte in Wildpoldsried.

Marcel Huber, ehemaliger Umweltminister Bayerns, drückt es so aus: „Wildpoldsried ist Bayerns bedeutendster Vorreiter als energieautarke Gemeinde. Sie zeigt beispielhaft, wie die Energiewende vor Ort funktionieren kann.“   Genügend Gründe also, um genauer hinzuschauen.

 

Mit nur 2617 Einwohnern, einem engagierten Bürgermeister mit seinem 14-köpfigen Gemeinderat (7 CSU/7 Freie Wähler) und einem (!!) extrem engagierten Landwirt haben die Allgäuer ein einmaliges Beispiel für sinnvollen Klimaschutz nicht nur entwickelt, sondern seit 1999 ohne Widerstände gemeinsam mit ihren Bürgern beispielhaft realisiert.

 

Günter Mögele (2. Bürgermeister) hat uns Besuchern am Vormittag in einem engagierten und kompetenten Vortrag die Details vorgestellt. Am Nachmittag zeigte er uns dann mit voll sichtlichem Stolz, die 11 Windräder, die große Biogasanlage, die Blockheizkraftwerke und die kommunalen Plus-Energiebauten.

 

„Wir verfolgen ein ökologisches Dreisäulen-Konzept aus Energie, Holz und Wasser“, so Günter Mögele.“ „Bei Energie schauen wir auf den Dreiklang von Wärme, Strom, Mobilität und immer wieder ganz zentral auf Speichermöglichkeiten“. Besonders stolz ist er auf die seit 2005 betriebene Dorfheizung, die 51 Gebäude, 4 Gewerbebetriebe und 120 Privatwohnungen versorgt. Das dafür erforderliche Nahwärmenetz wurde von dem obengenannten Landwirt ausgebaut. Seine vorzeigbaren Ergebnisse sind: Heizöleinsparung von 317 277 Liter/Jahr, CO2-Einsparungen von ca. 900 Tonnen/Jahr, und rechnen tut sich das Ganze auch noch: es wurden 33.500 €/ Jahr eingespart.

 

Die Bürger haben auf ihren Dächern 150 thermische Solaranlagen und 350 Photovoltaik-Anlagen installiert. Das müssen andere Kommunen erst mal nachmachen! Damit nehmen die Wildpoldsrieder den 16. Platz in der Solarbundesliga ein. Glückwunsch! Natürlich sind alle kommunalen Gebäude „photovoltaikisiert“. In ihre 11 Bürgerwindkraftanlagen haben sie 16,2 Mio €, davon 6,9 Mio Eigenkapital, von 300 privat Beteiligten investiert. Und, es gibt interessante Ausschüttungen. Von wegen Nullzinspolitik.

 

“Seit wir in die Windräder investieren, hat sich bei uns die Population der Milane (eine Gattung der Greifvögel, Familie der Habichtartigen) verdoppelt“, so Mögele. „Genau erklären kann ich mir aber den Zusammenhang doch nicht. Immerhin haben wir keinerlei Probleme mit Schattenwurf, Lärm und Vogelschlag, diesen gern gebrauchten Killerargumenten gegen die Windkraft“. Soviel also zu den seehoferschen windkraftverhindernden 10 H. Klimaschutz a la Bayern?

 

Bei der Elektromobilität schlagen die Wildpoldsrieder richtig zu: Sie haben 3 gemeindliche E-Autos, 9 E-Bikes, demnächst 5 Ladestationen, einen E-Post-Dienst (mit 10 E-Caddys) und einen Tesla S, den Porsche unter den E-cars. Dazu natürlich eine Stromtankstelle gegenüber der Kirche, in Ortsmitte.  

 

Mit Siemens testen die Allgäuer zurzeit im Projekt „Irene“ das Prinzip „Smart Grid“ zur intelligenten Steuerung von Energie. Natürlich haben sie für alle Projekte Staat und Land tief in die Fördertöpfe gegriffen. Mit der Hochschule Kempten arbeiten sie an der Weiterentwicklung von Batteriespeichern. Seit 1999 haben sie folgende Projekte für ihre Bürger realisiert: Thermografieaktionen, Kostenzuschuss zur Energieberatung, Pumpentauschaktion, Energieführerschein, kommunale Förderung von energieneutralem Bauen, Umstellung auf LED-Beleuchtung, Bau von Plusenergiehäusern, und bis 2020 soll jedes Haus ein Kraftwerk werden usw. Einige dieser Projekte dürften Ihnen bekannt vorkommen. Sie wurden auch schon in Stephanskirchen umgesetzt. Wir sind also auf dem richtigen Weg.

 

Natürlich wurden die Wildpoldsrieder vielfach ausgezeichnet, z.B. als „The Best European Renewable Municipalities“, und ziehen über 100 internationale Besuchergruppen pro Jahr in ihr gemeindeeigenes ökologisches Bildungszentrum an.

 

„Neben den ökologischen Aspekten ist uns besonders wichtig, dass die gesamte Wertschöpfung aus all den anspruchsvollen Projekten bei uns in der Gemeinde bleibt und so den Bürgern zugutekommt. Die Scheichs müssen leider ohne unser Geld auskommen.“ So das Fazit des Referenten.

 

Wenn Sie als Leser jetzt auf den Geschmack gekommen sind, schauen Sie doch mal nach auf: www.wildpoldsried.de

 

Besonders Interessierte sollten wissen, dass bereits 140 Landkreise, Gemeinden und Städte auf 100% erneuerbare Energien setzen und sich unter 100ee zusammengefunden haben. Schauen Sie nach. Sie werden begeistert sein. Achtung: Nichts für „Atomies“.

 

Günter Mögele hat uns noch seinen ganz persönlichen Blick in die Zukunft zur Verfügung gestellt:

„Wenn ich 3-5 Jahre vorausschaue bin ich sicher, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien wieder einen Aufschwung erleben wird!

Ein Umstieg auf 100 % erneuerbare Energien in Deutschland ist möglich und auch wirtschaftlich sinnvoll. (Wie viele Studien z.B. der Deutschen Bank und unser Modell in Wildpoldsried belegen). Auch wenn momentan durch politische Entscheidungen eine Verlangsamung dieses Prozesses eingeleitet wurde, wird sich die Entwicklung nicht aufhalten lassen. Der Ausstieg aus der Atomkraft ist nur der erste Schritt, als nächstes muss der Ausstieg aus der Kohlekraft erfolgen, was deutlich höhere Anstrengungen in Richtung erneuerbare Energien zur Folge haben wird.“

„Wir in Stephanskirchen sind bereits auf dem richtigen Weg. Das Ziel (4t CO² Ausstoß pro EW) erreichen wir aber nur, wenn alle gemeinsam in diese Richtung marschieren!“ meint Energiebeauftragte Karin Gall.

 

Wildpoldsried 2          Wildpoldsried 3

 

Text: Maisberger Paul, Energieforum Öffentlichkeitsarbeit/ Bilder: Siegl Uli

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